Presse


Berliner Woche von KW 29, Juli 2006:

Meistertitel davongeflogen?

Baseballer der Frohnau Flamingos verloren gleich doppelt

Von Michael Nittel

Foto: Michael Nittel Frohnau Beim Boxen würde man so etwas einen "Lucky Punch" nennen - also ein schwächerer und angeschlagener Gegner, der den Stärkeren mit einem glücklichen Schlag auf die Bretter schickt.

Genau das ist den Baseballern der Frohnau Flamingos am sonntäglichen Doppelspieltag der Regionalliga Nordost passiert - und zwar gleich zweimal: Mit 6:7 und 6:9 unterlag der Tabellenzweite aus dem Berliner Norden beim Aufsteiger und Lokalkonkurrenten TuS Lichterfelde Wizards. "Wir hatten genug Chancen, die Spiele für uns zu entscheiden", faßte Spielertrainer Florian Dorndt die Niederlagen zusammen. "Defensiv haben wir eigentlich keine großen Fehler gemacht. Und unser Gegner hatte halt zwei Glücksmomente - das reicht manchmal."

In Spiel eins geschah es im sechsten Inning: Die Flamingos lagen mit 6:3 in Front, als TuSLi-Batter Julien Pantaléon mit seinem ersten Hit des Tages drei Mitspieler "nach Hause" schickte, sie also die Home-Base der Flamingos erreichten und somit ausgleichen konnten. Den entscheidenden Hit allerdings setzte der Lichterfelder Sascha Friesike direkt im Anschluß. Dieses Mal war es dem Franzosen Pantaléon vorbehalten, mit seinem Run zum 7:6 die Niederlage der Frohnauer zu besiegeln. Im zweiten Spiel war es das fünfte Inning, als die Flamingos eine 5:3-Führung aus der Hand gaben und sechs Runs des Gegners zuließen.

"Das Verrückte ist: Eigentlich haben wir heute gut gespielt" so Dorndt abschließend. Deshalb war die Stimmung im Flamingo-Lager nicht sehr getrübt. Bei den Wizards war sie ausgelassen: "Habe ich Euch nicht gesagt, daß wir heute gewinnen", rief Matchwinner Friesike. Und ein Mitspieler antwortete: "Ja. Aber Du hast ja auch gesagt, daß Frankreich Fußball-Weltmeister wird."

Chancen sind gesunken

Durch diese Niederlagen ist die immer noch mögliche Meisterschaft für die Flamingos in weite Ferne gerückt: In der Tabelle liegen sie nun mit vier Siegen hinter den Kiel Seahawks zurück, spielen aber nur noch zweimal gegen die Schleswig-Holsteiner. Will man den Titel noch holen, müßten nicht nur diese beiden Partien am 6. August in Frohnau gewonnen werden. Man müßte auch darauf spekulieren, daß die Kieler mindestens noch zwei weitere Male stolpern. "Das kann passieren. Aber unsere Chancen sind eindeutig gesunken", so Dorndt.

Doch momentan gilt das Augenmerk ohnehin ganz dem kommenden Sonntag: Dann gastiert der 1. Bundesligist HSV Stealers zum Pokal-Viertelfinale in Frohnau. Spielbeginn ist um 13 Uhr. Und der zurzeit verletzte Flamingo Dennis Kelm verspricht: "Das wird ein Riesenspiel!".

Wiedergabe (Text+Foto) mit freundlicher Genehmigung des Autors/Fotografen Michael Nittel.


Berliner Morgenpost vom 5.4.2001:

Die Wizards zaubern wieder

Baseball-Teams des TuS Lichterfelde starten am Sonntag in die neue Spielzeit

Von Michael Bregel

Lichterfelde - Mag der Name allumfassende magische Kräfte auch noch so nahe legen, zaubern können die Wizards leider nur auf dem Spielfeld. Und so dominierten die Diskussionen bei den Baseballern des TuS Lichterfelde in den vergangenen Wochen auch weniger Fragen nach dem optimalen Treffpunkt des Balles mit der Keule oder dem perfekten Laufweg um die Bases, sondern zwei Faktoren, die von Normalsterblichen offenbar kaum zu beeinflussen sind: Das Wetter und die Politik. So unbequem Ersteres aber in diesem Frühjahr auch war, hätte es wohl doch den First Pitch - den traditionellen ersten Wurf der neuen Spielzeit - am kommenden Sonntag alleine kaum verhindern können. Es waren doch erheblich gravierendere Unbillen, die zeitweise sogar die wettkampfsportliche Zukunft der Wizards in Frage zu stellen drohten. Denn der Baseball-Verband hat für die neue Saison verschärfte Auflagen für die Sportanlagen von Liga-Teams erlassen. Auflagen, die der marode Schotterplatz an der Goethestraße, auf dem die Wizards trainieren und spielen, in keinster Weise erfüllt. Duschen, überdachte Spielerbänke, zusätzliche Fangzäune, "alles Dinge, die man dort nur mit großem finanziellem Aufwand hätte realisieren können", sagt Baseball-Abteilungsleiter Detlef Solas.

Die Saison wird für die Wizards nun aber doch an der Goethestraße beginnen, man hofft auf eine Sondergenehmigung. Denn ein mächtiger Mann will den Zauberstab zücken: "Sportstadtrat Norbert Kopp (CDU) möchte den Baseballsport an einem Ort bündeln", so Solas. Dieser Ort soll der Sportplatz an der Sachtlebenstraße im Süden Zehlendorfs sein. Der wäre die ganze Woche für Baseball nutzbar und stünde den Wizards und den zehn Jugendteams des Baseball-Vereins aus dem Umfeld der John-F.-Kennedy-Schule weitgehend exklusiv zur Verfügung. Auch dieser Platz müsste zwar umgebaut werden, "aber man hat uns von Bezirksseite versprochen, dass ein entsprechender Antrag schnellstmöglich bearbeitet würde", sagt Solas. Im Idealfall könnten die Wizards noch in diesem Jahr umziehen.

Gespielt würde übrigens auch dort auf der Regen-anfälligen Schlacke, womit wir beim Thema Wetter und dem sportlichen Aspekt wären. Denn nach dem wilden Wetter-Mix der jüngsten Zeit, dem diverse Testspiele zum Opfer fielen, wissen weder die "Erste" der Wizards, die nach dem Aufstieg in der Verbandsliga antritt, noch die "Zweite", nach der Auflösung der Bezirksliga quasi in die Landesliga "zwangsaufgestiegen", so genau, wo sie derzeit stehen. "Wir tun unser Bestes, das Ergebnis kommt von alleine", sagt Daisuke Norimitsu, Spielertrainer der ersten Mannschaft, diplomatisch. Dennoch stehen die Prognosen gut. Das Team spielt zum großen Teil seit Jahren zusammen und musste mit Michael Bode, der sich aus beruflichen und privaten Gründen künftig als Trainer um die "Zweite" kümmert, nur einen wichtigen Spieler abgeben. "Micha ist natürlich ein herber Verlust. Er war ein Schlüsselspieler, der in entscheidenden Phasen immer wusste, was zu tun ist", sagt Norimitsu. Allerdings haben sich die Verbandsliga-Wizards vor dem Auftaktspiel, zu dem am Sonntag um 14 Uhr die Sluggers erwartet werden, auch kräftig verstärkt. So wechselten gleich vier Leistungsträger aus dem Regionalliga-Kader der aufgelösten Crusaders nach Lichterfelde. "Die Jungs werden eine Bereicherung sein", sagt der Trainer, "weil wir sowieso eine Mannschaft sind, die von erfahrenen Spielern lebt".

Einen Platz im Mittelfeld der Landesliga hat sich die zweite Mannschaft vorgenommen. Der erste Schritt soll am Sonntag bei den Potsdam Porcupines II gemacht werden. "Die Zweite ist dazu da, den Unerfahreneren Baseball beizubringen, und zwar Baseball mit Fun und Erfolg. Hat man das eine, kommt das andere von selbst", umreißt Trainer Michael Bode seine Philosophie. Und beizubringen gibt es eine Menge, denn es sind viele "Neue" zu integrieren. Schließlich sind die Wizards eine der wenigen TuSLi-Abteilungen, die deutliche Mitglieder-Zuwächse verzeichnen. "Hoffnungsträger sind alle", sagt Bode, dennoch haben natürlich auch die Nachwuchs-Zauberer ihre Konstanten: Mit Yuima Kaneko, Gregor Leister und Neuzugang Timo Feid dürfte vor allem die "Japan-Connection" im Mittelpunkt stehen, die eine gemeinsame Vergangenheit in Tokio teilt. Interessierte sind nicht nur bei den Spielen der Wizards, sondern auch beim Training dienstags und freitags um 17 Uhr an der Goethestraße willkommen. Und wer vorher noch etwas Nachhilfe im mitunter nicht einfachen Regelwerk des US-Nationalsports benötigt, wird auf der zauberhaften Homepage der Magier fündig.


Berliner Morgenpost vom 10.7.2000:

Magier gegen Stachelschweine

Der amerikanische Nationalsport Baseball hat auch im Berliner Südwesten begeisterte Anhänger

Von Michael Bregel

Die TuSLi-Wizards verzaubern die Baseball-Diaspora

Lichterfelde - Ein Schotterplatz an der Goethe-/Ecke Königsbergstraße. Die Herrschaften auf dem Feld, Damen und Herren, auch altersmäßig bunt gemischt, tragen ihre Baseballkappen nicht aus modischen Gründen. Die 2. Mannschaft der «Wizards» (Zauberer) des TuS Lichterfelde ist zum Heimspiel gegen die Potsdamer «Porcupines» (Stachelschweine) angetreten. Sprechende Namen überall: Der Start der Gäste ist saumäßig, das Heimteam zaubert. Yuima Kaneko verwandelt gleich den ersten Schlag, weitere folgen. Sechs zu eins, ein Debakel für die Gäste bahnt sich an. Aber auch die Potsdamer applaudieren gelungenen Wizards-Spielzügen.

Baseball sei ein friedliches, ja pazifistisches Spiel, erklärte kürzlich ein Fernsehkommentator. Denn beim Baseball gehe es, im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen «Stürmer» den Erfolg mit «Angriffen» suchen, in erster Linie darum, nach gelungenen Aktionen «sicher» zu sein und letztlich «heim zu kommen».

Vielleicht der Grund, der Baseball auch nach mehr als 100 Jahren in den USA immer noch so populär macht, dass zu den Spielen von Traditionsteams wie den «New York Yankees» stets mehrere 10 000 Zuschauer die Ränge füllen, vornehmlich Familien. Von Zuschauermassen ist bei den Wizards weit und breit nichts zu sehen. «Die Spiele werden aber auch bei uns mehr und mehr Familienfeste, trotzdem kann man noch Leistungssport machen», sagt Michael Bode, Spieler der ersten Mannschaft und «Zauberer» der ersten Stunde.

Als die Wizards nach ihrer Gründung 1989 innerhalb von nur zwei Jahren bis in die 2. Bundesliga durchmarschierten, stand die Leistung noch im Vordergrund. Heute ist der Spaß wichtiger. Die Nachricht, durch die Niederlage eines Konkurrenten stehe der Aufstieg der «Ersten» so gut wie fest, löst am Spielfeldrand kurz Freude aus, dann ist wieder die «Zweite» wichtiger.

Baseball in der deutschen Diaspora, für die derzeit 35 Lichterfelder Baseball-Wizards kein ganz leichtes Unterfangen. Schon beim Spielgerät fangen die Schwierigkeiten an, die meisten Sportgeschäfte führen die notwendigen Utensilien gar nicht. Dann die Trainings- und Spielmöglichkeiten: Die Sportämter können sich bei der Platzvergabe schwer damit abfinden, dass ein Baseballspiel gerne auch mal drei oder vier Stunden dauert. Die fast aussichtslose Suche nach einem kompetenten Coach noch gar nicht erwähnt.

Gerne erzählt man sich im Kreise der Magier die Story, wie, noch zu Zeiten der US-Army in Berlin, der Drill-Sergeant «Mr. T.» aus einem Haufen begeistert drauflosschlagender Jugendlicher eine Mannschaft machte. «Keiner von uns kannte die Regeln», sagt Michael Bode, «aber Mr. T. war ein Baseball-Gott».

Auch heute ist das Pantheon den Wizards wohlgesonnen. Die Stachelschweine werden mit 15 : 9 erlegt. Zauberlehrlinge, die dienstags und freitags von 16.30 bis 20 Uhr die Keule schwingen wollen, sind an der Goethestraße willkommen.

Für alle die Lust haben sich den Bericht im Original anzugucken:
www.berliner-morgenpost.de/archiv2000/000710/lokalanzeiger_sw/story77976.html


Berliner Morgenpost vom 22.12.1999:

Baseball ist (keine) Zauberei

Die TuSLi Wizards bestreiten ihr Wintertraining in der Halle

Von Felix Birbaumer

Lichterfelde - Ein bisschen grenzt es schon an Zauberei, dass die «TuSLi Wizards» es immer wieder geschafft haben, ihren Sport Baseball, den amerikanischen Nationalsport Nummer eins, überhaupt unter Vereins-Bedingungen ausüben zu können. Viel Idealismus war nötig, um einen von insgesamt nur 13 Baseball-Vereinen in Berlin aufzubauen.

Die Geschichte der «Zauberer» begann vor zehn Jahren im Stadtpark Lankwitz. Dort trafen sich einige Jugendliche um den damals 17-jährigen Michael Bode, der von einem dreimonatigen USA-Aufenthalt einen Baseball-Handschuh, einen Schläger sowie Regelkenntnis und Begeisterung für das Spiel mitgebracht hatte. Schnell fanden sich so viele Interessierte, die mitspielen wollten, dass die Kapazität der Stadtpark-Wiesen bald erschöpft war.

Es musste also ein Verein gesucht werden, dem man sich anschließen konnte, um Platzzeiten zu erhalten. Fündig wurde die Gruppe gegenüber des Parks, beim BFC Preussen Berlin. Im Oktober 1989 wurden die Wizards als BFC-Abteilung gegründet.

Der zweite Schritt auf dem Weg nach oben folgte im nächsten Jahr: «Mr. T» übernahm das Training. Ein Spieler sprach den in der Wohnung nebenan lebenden Drill-Sergeant Tucker an, ob er nicht Lust hätte, ein paar Deutschen eine Baseball-Ausbildung angedeihen zu lassen. Mr. T, wie er sich von seinen neuen Schützlingen ansprechen ließ, hatte Lust.

Auf dem Schotterplatz an der Goethestraße brachte er die Wizards vom Leistungsstand von fünfjährigen Anfängern in eineinhalb Jahren auf das Level von Fünfzehnjährigen. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga war 1991 der Lohn für die Arbeit des unvergessenen Geburtshelfers Mr. T, der 1992 zurück in die USA ging.

Aber auch einige Rückschläge musste der junge Verein verdauen: Spieler wanderten ab, der Sportplatz an der Goethestraße sollte geschlossen werden, andere Plätze waren nicht zu bekommen. Denn ein Baseballspiel kann sehr lange dauern. Im Vorneherein ist nie zu sagen, wie lange genau, und das sprengt den Sportamts-Usus, Plätze im Zwei-Stunden-Takt zu vergeben.

Aus der Patsche half der TuS Lichterfelde. Mit offenen Armen nahm der Großverein die Wizards 1996 auf. TuSLi erreichte, dass der Platz an der Goethestraße im Sommer doch weiterhin genutzt werden konnte und die Wizards im Winter Hallenzeiten bekamen.

Baseball in der Halle? Tatsächlich gibt es genügend Möglichkeiten, die kalte Jahreszeit sinnvoll zu nutzen. Beim Schlagtraining behelfen sich die Baseballer mit Korken: Die winzigen «Ersatzbälle» schonen die Turnhallen und schulen nebenbei hervorragend das Auge.

Trotzdem: Mit Keule und Handschuh wird in der Halle eher selten gearbeitet. Im Vordergrund steht Schnellkraft- und Ausdauertraining. Ein hartes Programm, das die 36 männlichen und weiblichen Mitglieder - es wird gemischt gespielt - absolvieren. Die verschiedenen Positionen fordern unterschiedliche Qualitäten, eine Wissenschaft für sich.

Kein Geheimnis ist aber, dass die Wizards bei allem «Spaß» in der Halle sehnsüchtig den Frühling erwarten: Dann können sie draußen wieder «richtig» Baseball zaubern.

Für alle die Lust haben sich den Bericht im Original anzugucken:
www.berliner-morgenpost.de/bin/bm/e?u=/bm/inhalt/991222/lokalanzeiger_sw/story16682.html

Baseball- und Softballverein Berlin Wizards e.V.